Filmkritik “Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Pt. I”
Was ist nicht alles im Vornherein über „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ gesagt worden. Das Ende einer Ära, der Abschluss eines Meisterwerks, ein furioses Finale. Hohe Ansprüche sind es, die an Regisseur David Yates und den Cast gestellt wurden. Nachdem die Premiere für den finalen Teil der Potter-Saga eigentlich schon im letzten Jahr festgelegt wurde, entschieden Yates, Warner und Joanne K. Rowling, das Spektakel auf zwei Teile zu teilen. Nur so könne man der Dramatik, der Schlacht um Gut und Böse und vor allem den Fans gerecht werden.
Harry, Ron und Hermine sind gemeinsam auf der Suche nach den Horkruxen – den Gegenständen, in denen der böse Lord Voldemord seine Seele aufgeteilt hat. Ihr Weg ist gepflastert von Gefahren, da die Todesser mittlerweile das Zaubereiministerium übernommen, die Weltherrschaft anstreben und ein faschistoides Regime aufgebaut haben. Die Freundschaft der drei Helden wird auf ihrer Reise auf eine harte Probe gestellt. Zudem sind sowohl Harry als auch Voldemort auf der Suche nach den geheimnisvollen drei „Heiligtümern des Todes“, mit denen der Tod bezwungen werden kann.
An guten Vorsätzen und einer packenden Vorlage mangelt es „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Pt. I“ nicht. Wie dieser erste Teil umgesetzt wurde ist jedoch eine herbe Enttäuschung: der Film wirkt fragmentarisch, es will sich während der 146 Minuten partout kein Spannungsbogen aufbauen. Auf eine lange Gesprächsszene folgt eine zehnminütige Actionszene, auf eine weitere lange Wander- und Gesprächsszene folg wieder kurzer Krawall. Die wie in allen Potter-Filmen solide Leistung der Hauptdarsteller retten leider nicht das zermürbende Schema F, nach dem David Yates den Film komponiert hat.
Für Hardcore-Fans der Potter-Reihe mögen die Länge und die Aufteilung auf zwei Filme wohl noch gut sein, weil sie auf möglichst viel Nähe zur Romanvorlage pochen. Der neutrale Zuschauer kann sich während des Films leider des Gefühls nicht erwehren, dass Warner und Miss Rowling die Cash Cow Potter nochmals ordentlich melken wollten: anstatt die Erzählung schmissig und mit Tempo in einen Film zu packen und einige Details auszulassen, hat man sich für den gewinnbringenden Weg mit zwei Teilen und zäher Erzählung entschieden. Wie schade!
Für das Ende einer großen Filmsaga stellt man sich etwas anderes vor. Man muss leider feststellen, dass „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Pt. I“ an den eigenen Ansprüchen, der langatmigen Inszenierung und dem Profitdenken der Leute im Hintergrund krankt. Ein Film wie der Genuss einer Bertie-Botts-Bohne mit Valium-Geschmack.
Wertung: 4 von 10 Punkten
Schön geschrieben, auch wenn ich deine Meinung nicht teile. Ich finde, dem Film hat das etwas gemächlichere Tempo sehr gut getan.
fifot
Juni 2, 2011 um 12:11 am