Blogthebuster's MediaBlog

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Schmock lass nach!

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Alles auf Zucker!“ – Ein launiger Film über Moneten, Mischpoke und Wendeverlierer. Eine Filmkritik.

Wenn man den geneigten Cineasten nach einem guten Deutschen Film frag, bekommt man meist schwere Kost serviert, wie zum Beispiel „Das Boot“ oder „Die Ehe der Maria Braun“. Komödie ist nicht unbedingt das Genre, mit dem man den deutschen Film in Verbindung bringt. Das dies nicht so sein muss beweist ein ums andere mal Dani Levy. Ihm gelingt es, Filme mit Verve und Humor zu drehen, ohne dabei in seichten Humor abzudriften oder flach zu werden. Levys große Kunst ist es, selbst schwer belastete Themen mit einem Augenzwinkern zu versehen – so ist es auch in seinem 2004 erschienenen Film Alles auf Zucker.

Jaeckie Zucker (fulminant gespielt: Henry Hübchen) ist das, was man wohl den Prototypen eines Verlierers nennen kann: der ehemalige Sportmoderatoren-Star der DDR ist bis über beide Ohren verschuldet und seine Beziehung zu Freundin Marlene (Hannelore Elsner) bröckelt. Über Wasser hält sich das Schlitzohr mit Billard-Turnieren und einem mehr oder minder gutlaufenden Freudenhaus. Als Jaecki endlich die Chance hat, auf einem großen Billard-Tournier zu spielen und mit dem Preisgeld alle Schulden abzubezahlen, trifft ihn mal wieder das Pech: seine vor langer Zeit in den Westen abgewanderte Mutter stirbt. Das Testament verspricht zwar eine große Erbschaft, wäre da nicht ihr letzter Wille: sie will nach altem jüdischen Ritus begraben werden, und Jaeckie soll sich mit seinem seit Jahren zerstrittenen Bruder Samuel (Udo Samel), von Jaeckie auch „Onkel Ayatollah“ genannt, versöhnen.

Dies gestaltet sich schwieriger, als man meinen könnte: Jaeckie hat mit den jüdischen Bräuchen überhaupt nichts am Hut. Er möchte auf Teufel komm raus das Tournier spielen und lässt sich dabei allerlei wahnwitzige Situationen einfallen, um doch seinen Plan durchzusetzen und die Mischpoke auszutricksen.

Selten hat ein deutscher Film den Zuschauern so sehr die Tränen vor Lachen in die Augen getrieben wie „Alles auf Zucker“. Doch nicht nur der köstliche, berlinerisch-jüdische Humor (unterstütz durch klassisch jiddische Klezmer-Musik) zeichnet Dani Levys Film aus: Levy gelingt es, auf unverkrampfte Art und Weise mit dem Thema Judentum umzugehen und die Zuschauer dabei zum Lachen zu bringen – wer hätte das für möglich gehalten. „Alles auf Zucker“ ist vielleicht der erste deutsche Film, in dem Juden nicht in der Opferrolle dargestellt werden, sondern als launige, gesellige, fröhliche Mitmenschen. Die Kunst, neue Wege und Ansichten in Filmen zu begehen hat Levi schon mit seinem umstrittenen Film „Mein Führer“ gewagt- sein Erfolg gibt ihm recht.

Und doch geht Levys Komödie über das pure Amüsement hinaus. Jaeckies Geschichte erzählt auch vom Leid, dass er erfahren musste: wie er ohne Familie allein mit 14 in der DDR aufgewachsen ist, es dort zu Ruhm gebracht hat – und nach der Wende ins Nichts abgetaucht ist. Dany Levy wird seit „Alles auf Zucker!“ auch gern als der deutsche Woody Allen bezeichnet. Dies geht vielleicht ein kleines Stück zu weit, jedoch hat er es geschafft, mit allenesken, feinsinnigem Humor etwas zu schaffen, was man im deutschen Kino zuvor vielleicht für unmöglich gehalten hätte: dass bei einem Satz wie „Seit der Wende hat er nur Pech gehabt…und jetzt soll er auch noch Jude sein!“ der Zuschauer nicht vor Schock erstarrt, sondern schmunzelt und lacht.

Geschrieben von blogthebuster

Mai 16, 2011 um 11:00 pm

Filmkritik „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Pt. I“

mit einem Kommentar

Was ist nicht alles im Vornherein über „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ gesagt worden. Das Ende einer Ära, der Abschluss eines Meisterwerks, ein furioses Finale. Hohe Ansprüche sind es, die an Regisseur David Yates und den Cast gestellt wurden. Nachdem die Premiere für den finalen Teil der Potter-Saga eigentlich schon im letzten Jahr festgelegt wurde, entschieden Yates, Warner und Joanne K. Rowling, das Spektakel auf zwei Teile zu teilen. Nur so könne man der Dramatik, der Schlacht um Gut und Böse und vor allem den Fans gerecht werden.

Harry, Ron und Hermine sind gemeinsam auf der Suche nach den Horkruxen – den Gegenständen, in denen der böse Lord Voldemord seine Seele aufgeteilt hat. Ihr Weg ist gepflastert von Gefahren, da die Todesser mittlerweile das Zaubereiministerium übernommen, die Weltherrschaft anstreben und ein faschistoides Regime aufgebaut haben. Die Freundschaft der drei Helden wird auf ihrer Reise auf eine harte Probe gestellt. Zudem sind sowohl Harry als auch Voldemort auf der Suche nach den geheimnisvollen drei „Heiligtümern des Todes“, mit denen der Tod bezwungen werden kann.

An guten Vorsätzen und einer packenden Vorlage mangelt es „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Pt. I“ nicht. Wie dieser erste Teil umgesetzt wurde ist jedoch eine herbe Enttäuschung: der Film wirkt fragmentarisch, es will sich während der 146 Minuten partout kein Spannungsbogen aufbauen. Auf eine lange Gesprächsszene folgt eine zehnminütige Actionszene, auf eine weitere lange Wander- und Gesprächsszene folg wieder kurzer Krawall. Die wie in allen Potter-Filmen solide Leistung der Hauptdarsteller retten leider nicht das zermürbende Schema F, nach dem David Yates den Film komponiert hat.

Für Hardcore-Fans der Potter-Reihe mögen die Länge und die Aufteilung auf zwei Filme wohl noch gut sein, weil sie auf möglichst viel Nähe zur Romanvorlage pochen. Der neutrale Zuschauer kann sich während des Films leider des Gefühls nicht erwehren, dass Warner und Miss Rowling die Cash Cow Potter nochmals ordentlich melken wollten: anstatt die Erzählung schmissig und mit Tempo in einen Film zu packen und einige Details auszulassen, hat man sich für den gewinnbringenden Weg mit zwei Teilen und zäher Erzählung entschieden. Wie schade!

Für das Ende einer großen Filmsaga stellt man sich etwas anderes vor. Man muss leider feststellen, dass „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Pt. I“ an den eigenen Ansprüchen, der langatmigen Inszenierung und dem Profitdenken der Leute im Hintergrund krankt. Ein Film wie der Genuss einer Bertie-Botts-Bohne mit Valium-Geschmack.

Wertung: 4 von 10 Punkten

Geschrieben von blogthebuster

November 24, 2010 um 1:48 pm

Köpfe werden rollen

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Es gibt Filme, bei denen man nach den ersten 10 Minuten schon weiß, welcher Regisseur hinter dem Werk steckt. Die Kunst, einem Film seinen visuellen Stempel aufzudrücken und den Zuschauer in seiner Welt einzufangen, beherrschen nicht viele Filmemacher. Ohne Zweifel gehören Jean-Pierre Jeunet, Quentin Tarantino und David Lynch zu dieser Spezies. Doch keiner hat eine solch eingängige, bizarre und unverwechselbare Sprache des Bildes in seinen Bildern wie der Meister des Gruselkitschs: Tim Burton

Man kann Burton durchaus vorwerfen, dass es seinen Filmen an Tiefgang fehlt und seine Figuren zu oberflächlich gestaltet sind. Es ist jedoch vielmehr so, dass die Figuren vor den burtenschen Szenerie oftmals verblassen: expressionistisch-düstere Bilder, märchenhafte Wälder und kitschige Bürgersstuben ziehen sich durch Burtons Werk wie ein roter Faden. Auf der erzählerischen Ebene ist es die traumatische Kindheit und das Außenseitertum, das  in allen Filmen Burtons ein wichtiges Thema -wenn nicht das Wichtigste- ist.

Burton ist, wenn man Film als literarisches Genre betrachtet, einer der größten Märchenautoren unserer Zeit. Daher war es ihm wohl ein großes Anliegen, DAS Nationalmärchen der Vereinigten Staaten zu verfilmen. „The Legend of Sleepy Hollow“ von Washington Irving ist den amerikanischen Kindern so geläufig wie bei uns Hänsel und Gretel. Doch Burton wäre nicht Burton, wenn er aus dem Schauer in Irvings Kurzgeschichte nicht noch den letzten Rest herauskitzeln würde.

Ratio gegen Fantasie, Großstadt gegen Landleben


Der wegen seiner modernen Methoden ungeliebte Constable Ichabod Crane (Burton-Buddy Johnny Depp als CSI-Mensch des 18. Jahrhunderts) wird von New York ins ländliche Kaff Sleepy Hollow strafversetzt, um dort eine mysteriöse Mordserie aufzuklären: anscheinend sucht den Ort ein hessischer Reiter (kurzer, aber genialer Auftritt: Christopher Walken) seit Jahren das Dorf als kopfloser Geist heim, und köpft seine Opfer.

Es prallen zwei Welten aufeinander: Crane ist ein absoluter Rationalist und Aufklärer, mit seinen Methoden ist der schrullige Polizist seiner Zeit weit voraus. Die Bewohner von Sleepy Hollow, allesamt niederländischen Ursprungs, sind stark im Aberglauben und dem Calvinismus verankert und stehen Ichabod äußerst kritisch gegenüber.

Ichabod selbst ist jedoch selbst stark vom Aberglauben und Mystizismus beeinflusst: seine Mutter (gespielt von Burtons Ex-Muse Lisa Marie) war scheinbar eine Wicca-Anhängerin und erzog ihn in dieser  mystischen Glaubensform. Nach ihrer brutalen Ermordung verdrängt Crane alles Mystische und fällt, als ihm der Kopflose das erste Mal begegnet, in alte kindliche Muster zurück; ein  Thema, dass sich durch Burtons Werken wie ein roter Faden zieht.

Eine der wenigen Verbündeten im Dorf findet Crane in der Dorfschönheit Katrina van Tassel (Christina Ricci), die ein ähnliches Schicksal wie er durchleben musste und in der er viele Charakterzüge seiner Mutter wieder erkennt.  Sie unterstützt ihn in der Aufklärung der Morde und im Kampf gegen den Hessischen Reiter, doch dieser Kampf findet auf zwei Ebenen statt. Es ist zum einen Ichabods Kampf gegen seine Vergangenheit und das Irrationale zu akzeptieren, zum anderen der Kampf gegen den Geist selber.

Bewertung

Tim Burtons Sleepy Hollow hat mit Washington Irvings Kurzgeschichte nicht mehr viel gemein. Während Crane bei Irving ein strenggläubiger, lachhaft hässlicher Yankee ist, der vor den Geistergeschichten im Ort und einem Jungenstreich aus dem Dorf flieht, ist er bei Burton ein schrulliger Aufklärer, der mit sich selbst kämpft und sich mit einem wahrhaftig gewordenen, massenmordenden Monstrum auseinandersetzen muss.

Sleepy Hollow ist zusammen mit Sweeney Todd Burtons mit Abstand blutigster Film – Close-Up- und Detailaufnahmen von Enthauptungen sind keine Seltenheit. Besonders blutig ist die Szene am Baum des Todes, in dem der Hesse seine „Trophäen“ aufbewahrt. Selbst bei kleinen Kindern macht Burton in diesem Film keine Ausnahme. Anders als bei Sweeney Todd dominieren hier Blut und Brutalität nicht den Film, sonder die Szenerie tut dies.

Burton versteht es perfekt, das Dorf als verwunschenen Märchenort zu inszenieren, mit seinen verschlungenen Wegen und dem geheimnisvollen Wald. Burton schafft es, das Gefühl des gothic horrors aus Irvings Vorlage in den Film zu transportieren und ihn sogar noch zuzuspitzen. Der wieder einmal famose Soundtrack von Danny Elfman verleiht dem Gruselspaß emotionale Tiefe und transponiert den Schauer im Film in Notenform.

Der Film ist mit Sicherheit nichts für schwache Gemüter, aber viele der Horror-Szenen werden durch das grandios-tollpatschige Spiel von Johnny Depp konterkariert. Zudem sind viele Schreckensszenen einfach so plakativ, dass man sich oft nicht zwischen Schreien und Lachen entscheiden kann.

Burton schafft es, den richtigen Dreh zwischen Komik und Schauer, Tragik und Mystik zu finden – und das macht Sleepy Hollow zu einem verdammt guten Gruselvergnügen. Ein Märchenfilm für Erwachsene, der trotz der recht plakativen Rollen und einigen Längen bei Ichabods Flashbacks absolut sehenswert ist.

Wertung: 7 von 10 Punkten

Geschrieben von blogthebuster

August 26, 2010 um 2:44 pm

How am I supposed to heal, if I can’t feel time?

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Eine Hand schwenkt ungeduldig ein Polaroidfoto, bis das Bild des Toten darauf verblasst; dann wird das Foto in den Kameraschlitz hineingezogen. Blut fließt langsam die Wände nach oben, eine Patronenhülse taumelt über den Boden und springt dann in eine Pistole, eine Kugel jagt aus dem Körper eines Mannes in den Lauf einer Waffe, ein Schuss ist zu hören, der Mann stößt einen Todesschrei aus…

So stimmt der zurecht als Filmgenie gefeierte Christopher Nolan noch während des Vorspanns den Zuschauer darauf ein, was ihn bei seinem Zweitwerk Memento erwartet: in seinem Neo Noir begibt sich der Zuschauer zusammen mit dem Protagonisten Leonard Shelby (Guy Pearce) auf einen Rachefeldzug gegen John G., den Mörder seiner Frau, den er umbringen will. In einem Interview mit Elvis Mitchell für die Reihe ‚Independent Focus‘ erzählt Regisseur Christopher Nolan eine Anekdote, die den Beginn der Arbeit an seinem zweiten Spielfilm Memento beschreibt.

Der Film als Rätsel

Schon in seinem Spielfilmdebut Following (1998) richtet sich Regisseur Christopher Nolan nicht nach konventionellen Erzählstrategien. Immer wieder springt er in der Zeit vor und zurück und macht damit aus seiner Geschichte ein Puzzle, das sich erst in den letzten Minuten des Films zu einem funktionierenden Gesamtbild zusammensetzt.

Auch in seinem zweiten Spielfilm Memento wird die Geschichte von Leonard Shelby und seinem Rachefeldzug gegen den Mörder seiner Frau keineswegs chronologisch erzählt. Jedoch ist die Reihenfolge der einzelnen Szenen nicht einfach wild durcheinander gewürfelt, sondern durch ein klares Schema festgelegt. Die Gesamthandlung besteht aus zwei Teilen, die sich wiederum in mehrere Szenen gliedern lassen. Der erste Teil spielt hauptsächlich in Leonards Motelzimmer und ist in schwarz-weiß gehalten – der andere Teil ist in Farbe und zeigt Leonard, wie er versucht, den vermeintlichen Mörder seiner Frau zu finden.

Betrachtet man die Geschehnisse als lineare Handlung, findet der in schwarz-weiß gehaltene Teil zeitlich vor dem in Farbe statt. Jedoch macht Christopher Nolan es dem Zuschauer alles andere als einfach und erzählt seine Geschichte nicht in der tatsächlichen chronologischen Reihenfolge. Vielmehr verflechtet er die beiden genannten Teile miteinander und während er die Szenen des ersten Teils in der richtigen Reihenfolge zeigt, werden die Szenen des zweiten Teils in der umgekehrten Reihenfolge wiedergegeben. Beide Handlungsstränge bewegen sich also aufeinander zu und somit liegt der dramatische Höhepunkt am Ende des Films im Grunde in der Mitte der eigentlichen Ereignisse. Die Erzählstruktur von Memento verlangt die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers. Immer wieder muss der Zuschauer das bisher Gesehene reflektieren, jede neue Szene in den Gesamtkontext einordnen und geistig in eine chronologische Reihenfolge bringen.

Nolan lässt einen Teil seines Films achronologisch erzählen, um den Zuschauer auf das gleiche Level wie Leonard zu bringen, damit er mit ihm die zeitlichen Geschehnisse rekonstruiert und er am Ende vor einem genauso großen Berg von Fragen steht wie er selbst. Nolan testet damit den Zuschauer, wie sein eigenes Gedächtnis beschaffen ist. Ohne Zweifel, Nolans Zweitling ist ein Film für Vielkucker: bei ersten Mal ansehen bleiben viele Fragen offen, man wir vom Regiemeister verwirrt und mit Schädelbrummen auf der Couch sitzen gelassen. Der Film wird zum Rätsel, das vom Zuschauer gelöst werden will.

You really need a system if you are going to make it work

Leonard spricht im Bezug auf seine Krankheit (Anterograde Amnesie) immer von einem Zustand. Damit bringt er zum Ausdruck, dass er der Überzeugung ist, dass seine Krankheit irgendwann wieder vergehen wird und er ein normales Leben führen kann. Leonards Leben hat sich mit dem Mord an seiner Frau und dem Verlust seines Kurzzeitgedächtnisses radikal verändert: er kann sich nur wenige Minuten lang an Dinge, die kurz zuvor passiert sind, erinnern. Er lebt sozusagen in einem zeitlosen, Sinn entleerten Raum. Vielleicht ist er schon jahrelang damit beschäftigt, den Mörder seiner Frau zu finden, was für ihn sein einziger noch verbleibender Strohhalm ist, etwas Sinnhaftes in sein Leben zu bringen. Er lebt für die Rache, ist jedoch nicht glücklich damit und möchte diesen Zustand überwinden. Dies wird deutlich, wenn Leonard sich selbst die Frage stellt

„How am I supposed to heal, if I can’t feel time?“

und sich damit eigentlich schon selbst die Antwort gibt: er kann es nicht und hält daher an seiner zeitlosen Suche nach John G. fest.

Um sich an wichtige Begebenheiten zu erinnern, entwickelt Leonard ein System, um so Zeit und mit ihr verbunden Erinnerung zu disziplinieren und zu organisieren: Polaroidfotos von Besitztümern und Orten helfen ihm bei der räumlichen Orientierung, Polaroids von Personen, versehen mit einer Notiz auf der Rückseite, helfen ihm, sich an sie zu erinnern und sie charakterlich einzuordnen. Erinnern heißt aufschreiben – eine Art Landkarte in seinem Motelzimmer dient ihm als externe Speicherplatte. Alle wichtigen Fakten, die Leonard über den Mörder seiner Frau sammelt, tätowiert er sich auf seinen Körper. Diese Karnation des Gedächtnisses und der Zeit macht Leonard selbst zum Medium seiner Erinnerungen und wird so nach Marshall McLuhan selbst zur ‚message‘.

Mit dieser Faktensammlung meint Leonard, sein Leben konditionieren und Leute richtig einschätzen zu können. Dies schlägt jedoch fehl, da er aufgrund seiner Krankheit zum Spielball gleich mehrerer Leute wird: Natalie (Carrie-Anne Moss), die Leonard für ihre eigene Zwecke missbraucht, und Teddy (Joe Pantoliano), der Leonard auf einen Drogendealer, den er als John G. ausgibt, ansetzt, mit dem er anscheinend in Geschäfte verwickelt ist – ja sogar vom Motelbesitzer Burt (Mark Boone Junior) wird Leonard übers Ohr gehauen.

Fazit

Christopher Nolans Memento ist ein genialer Film, der den Zuschauer herausfordert, teils allein lässt und immer wieder zum hinterfragen zwingtein Mindfuck-Film vom Feinsten, der in jeder guten Filmsammlung sein sollte. Die Filmnarration zwingt den Zuschauer zur höchsten Aufmerksamkeit und auch zum öfteren Ansehen. Diesem Erzähltwist bedienten sich später auch andere Regisseure, z.B. Gaspar Noé in Irréversible .

Der Zuschauer begleitet Leonard auf seinem Rachefeldzug und wird schließlich Zeuge, wie er seine lang ersehnte Vergeltung ausübt. Doch weder Leonard noch der Zuschauer erfährt die erwartete Genugtuung. Denn die Rache geht einher mit der Erkenntnis, dass Leonard sich in einer tödlichen Zeitschleife befindet; einem Kreislauf, aus dem er nicht ausbrechen kann und auch nicht will.

Memento kann als Kritik an dem Konzept der Rache gelesen werden. Leonard will glauben, dass seine Handlungen von Bedeutung sind, auch wenn er sich nicht an sie erinnern kann. Der Film stellt diese Anschauung jedoch in so fern in Frage, als dass er Rache als einen abstrakten Begriff entlarvt, der im Verstand existiert und keinen reellen Wert hat. Memento ist ein anstrengender Film, der über seine gesamte Spielzeit volle Aufmerksamkeit verlangt. Er verwirrt, macht aber auch nachdenklich. Was macht uns zu dem was wir sind und welche Rolle spielen dabei unsere Erinnerungen? Leonard hat durch den Verlust des Kurzzeitgedächtnisses auch die Fähigkeit, sich selbst wahrzunehmen, verloren. Die Erinnerungen an unsere Gedanken und Handlungen definieren unsere Identität. Ironischer Weise ist es Leonard, der uns dies am Ende des Films lehrt:

We all need memories to remind ourselves who we are…

Meine Wertung: 9,5 / 10 Punkten

Tipp: Jonathan Nolan, der Bruder des Regisseurs und Drehbuchautor von Memento, hat auf einer Website die Geschichte Leonards weitergesponnen. Wer Lust hat, die Schnipseljagt weiterzumachen, sollte unbedingt otnemem.com besuchen!

Konzert-Review: Alin Coen & Schwester Minimal im Club Voltaire, Tübingen

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Kalt war’s, und das Glatteis auf dem Tübinger Kopfsteinpflaster lud eher zu Oberschenkelhalsbruch und neuem Hüftgelenk ein als zu einem guten Konzert. Dennoch ließen es sich viele Musikfeinschmecker aus der Unistadt nicht nehmen, bei diesem menschenfeindlichen Wetter in den Club Voltaire zu schlittern.

Denn dort war am 03.06. mit Alin Coen eine alte Bekannte zu Gast, die sich nach mittlerweile vier Auftritten im kleinen Club in der Haaggasse ein gewisses Stammpublikum ersungen hat. Schon lange bevor Alin Coen und ihre Band einem größeren Publikum durch das vom ZDF und 3sat übertragene Popcamp bekannt wurde, haben die Tübinger die Musik der großartigen Sängerin kennen und schätzen gelernt.

Quelle: http://www.musikrat.de/index.php?id=5254

Die Wohnzimmer-Atmosphäre im Voltaire passt für eine Singer-Songwriterin wie Alin natürlich wie die Faust auf’s Auge. Mit ihren gefühlvollen Liedern wie „Stream“ oder „Festhalten“ hat sie das Publikum schnell in ihren Bann gezogen. Viele singen schon ihre Lider mit und auch ich bemerke mich beim Mitsingen ihrer Lieder vom Loslassen. Man kann sagen, dass das Voltaire durch die tollen Auftritte von Alin Coen -ob mit Band oder Solo- mittlerweile ihr Wohnzimmer geworden ist. Selbst die nervtötende Quasselstrippe links hinter mir wurde auf einmal ganz ruhig, als sie ihr bezaubernd-melancholisches Lied „Wolken“ spielt.

Alin lebt ihre Texte auf der Bühne offen aus. Sie lebt die Situationen, zu denen sie ihre Songs geschrieben hat, in Stimme und Gestik nach und hat immer eine kleine Anekdote zu den Liedern parat. Gut gelaunt und mit viel Charme entführt die Weimarerin ihr Publikum in ihre musikalische Welt voller Gefühle, Melancholie und Hoffnung.

Quelle: http://viewmorepics.myspace.com/index.cfm?fuseaction=viewImage&friendID=512760947&albumID=722479&imageID=7271798#a=722479&i=7271792

Nach Alin Coens Auftritt kam mit der Würzburger Band Schwester Minimal das Kontrastprogramm: mit groovenden Sounds und Rhythmen irgendwo zwischen Pop, Soul und ganz viel Funk heizten die Jungs dem kleinen Schuppen in der Haaggasse ganz schön ein. Bei Liedern wie „Zügellos“ oder „Schluss“ stand keiner mehr still und das Voltaire verwandelte sich innerhalb kürzester Zeit in eine finnische Dampfsauna.

Umso bemerkenswerter ist, dass die Band um Sänger Fabian Enzmann in dieser Zusammensetzung das erste Mal gespielt hat. Dafür hat’s aber ordentlich gerockt/ gegroovt! Respekt!

Der Percussionist des Fünfers hat auf die Schnelle sogar noch ein paar Töne auf der Trompete eingeübt, was zur Überraschung der anderen vier auch ganz gut gelang. Die unterfränkischen Schwestern hatten sichtbar großen Spaß auf der Bühne, was sich auch auf das Publikum übertrug. Ich hatte dann später noch die Gelegenheit, ein paar Worte mit den Jungs zu wechseln-dufte Typen! Hoffentlich kommen sie bald mal wieder nach Tübingen.

Alles in allem kann man das wohl als einen gelungenen Konzertabend nennen. Die Musik von Alin und Schwester Minimal könnte wohl unterschiedlicher nicht sein, aber es hat wunderbar funktioniert. Alin hat sich bereits für den Sommer mit Band und ihrem ersten Album angekündigt. Man darf gespannt sein, denn ich denke, dass Alin Coen & Band noch große Wellen schlagen werden in diesem Jahr. So freue ich mich umso mehr, Alin und hoffentlich auch Schwester Minimal bald wieder zu sehen.

Geschrieben von blogthebuster

April 18, 2010 um 7:25 pm

They couldn’t care less

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Am 5. Dezember 2008 war es endlich so weit. Lange habe ich auf diesen Tag gewartet und die Vorfreude hatte sich ins Unermessliche gesteigert: endlich sehe ich Blackmail, die Institution im deutschen Indierock, live. Da war mir auch der umständliche Weg von Tübingen ins badische Heidelberg trotz der unsäglichen Bahnverbindung egal. Hauptsache ich sehe endlich die Band, die sich mit ihren hypnotisieren Riffs und der einmaligen Stimme in mein Herz gespielt haben.

Ein Foto aus besseren Zeiten

Quelle: http://www.club-schocken.de/details_archiv.php?id=193

Auch untereinander und mit dem Publikum waren die Blackmail-Mitgleider nicht sonderlich gesprächig. Man merkte, dass die Stimmung zwischen dem Koblenzer Viergespann am heutigen Abend nicht unbedingt die Beste war. Ein Blackmail-Veteran neben mir meinte, dass das wohl bei denen normal sei – Aydo gäbe sich gern unnahbar und raucht eine nach der anderen. Das an diesem Abend jedoch mehr vorgefallen sein muss, ahnte zu diesem Zeitpunkt keiner…

Wenige Tage später kam auf der Bandseite die Bestätigung, dass mein Erstes Blackmail-Konzert wohl auch das letzte in dieser Form gewesen ist: Aydo hat das Handtuch geworfen und die komplette Tour wurde gecancelt – was für ein Schock.

Über die Gründe der plötzlichen Trennung herrschte ein halbes Jahr Totenstille. Wie tief der Graben zwischen dem exzentrischen Sänger und der Band wirklich ist, weiß man erst seit einem Interview von Aydo Abay bei Bunch-TV.

Während des Melt!-Festivals schildert er in einer merkwürdigen Mischung aus Verbitterung, Freiheit und Arroganz die Stimmung während der Tour und dem letzten Jahr. „Sich immer gegen die beiden Brüder aufzulehnen, die eh immer die gleiche Meinung haben -der andere (Mario Matthias) sagt eh nie was-, war mir irgendwann zu blöd“ , gibt Abay in dem Interview als Haupt-Trennungsgrund an. Als Hampelmann von Carlos und Kurt Ebelhäuser habe er sich gefühlt und sich auf der Bühne ständig gefragt, was er hier überhaupt mache. Damit zerbrach Aydo die letzte Hoffnung der Fans auf eine eventuelle Reunion, die lange Zeit im Netz in verschiedenen Foren kursierte. Dass das Verhältnis nicht mehr zu kitten ist zeigt auch ein Vermerk auf der Facebook-Seite von Blackmail – dort wird Name „Aydo Abay“ einer Todesanzeige ähnlich im Profil erwähnt…

Wie sieht nun die Zukunft für das geschiedene „Pärchen“ Blackmail aus?

Tatsache ist, dass die Ebelhäusers und Matthias auch nach Abays Ausstieg unter dem gleichen Namen und mit einem neuen Sänger Musik machen wollen. Sie sind sogar schon im Studio, um eine neue Platte aufzunehmen. Im Netz treiben Spekulationen um Abays Nachfolge teilweise bizarre Blüten: so wird auf plattentests.de unter anderem Metal-Maschine Udo Dirkschneider genannt. Ernster zu nehmen ist da wohl schon eher der Name Mathias Monshausen von der Dortmunder Indie-Band „vs. Rome“, dessen Stimme doch sehr an den Ex-Fronter erinnert. Die Zeichen darauf verdichten sich, seit „vs. Rome“ laut der Februar-Ausgabe der Visions einen neuen Sänger engagiert hat.

Ich bin gespannt, welche Wege Band und Ex-Sänger weiter beschreiten. Klar ist jedoch: bei Blackmail gab es bisher zwei Konstanten – die genialen Soundfrickeleien seitens Ebelhäuser und der unverkennbare, nölende Gesang von Abay. Ob der Erfolg weiter anhält oder die drei Koblenzer an dem von Abay Prophezeiten „Smashing-Pumpkins-Syndrom“ erkranken werden, wird das kommende Album zeigen, das für Frühjahr 2010 angekündigt wurde. Ich werde mir auf alle Fälle die neue Platte anhören, kann mir aber -und so geht es den meisten Fans- die Band ohne die charismatische Stimme Aydos nur schwer Vorstellen.

Cover vom neuen KEN-Album

Quelle: http://blogs.myspace.com/yesweken

Der ist derweil seine eigene Marionette und treibt sein Ego-Projekt KEN voran. Anfang 2010 will er ein neues Album, das mit mehr als 20 verschiedenen Musikern aufgenommen hat, auf den Markt schicken. Die künstlerische Freiheit, der er sich während der 14 Jahre Blackmail beraubt fühlte, lebt er nun in seiner kommenden „Tanzplatte“ aus – eine Mischung aus Pop-Rock mit viel Electronic. Das dürfte wohl für die Die-Hard-Fans schwer verdaulich sein, aber das ist genau das, was Abay gebraucht hat: einen radikalen Schnitt mit der bisherigen Musik, und ein Stück narzisstische Selbstverwirklichung. Die ersten Probehäppchen auf der Myspace-Seite von KEN klingen jedenfalls vielversprechend.

Es ist traurig, dass es mit der meiner Meinung nach besten Indierockband Deutschlands so zu Ende gehen musste. Beide Teile kommen mir vor wie ein altes Ehepaar, bei dem schon lange die Luft raus war und nun schmutzige Wäsche wäscht: Aydo übernimmt die Rolle der zänkischen Alten, die gerne nochmal nachtritt, und die übrigen drei sind der eher schweigsame Ehegatte, der sich in Seitenhieben und Nadelstichen übt (siehe Facebook-Seite). Schön ist das nicht, aber so laufen Ehen nun mal manchmal ab.

Wichtig ist jetzt, was die Ex-Partner danach machen – und da ist mir weniger bange als vielen anderen Fans. Rückwärtig betrachtet ist die Trennung vielleicht doch gut gewesen, da Blackmail nach „Friend or Foe?“ stagnierten – zwar auf einem hohen Niveau, aber etwas absolut Neues war weder auf „Aerial View“, noch auf „Tempo Tempo“ zu hören. So haben die Herren mit den großen Egos (Abay/ K. Ebelhäuser) nun die Möglichkeit zu beweisen, dass sie ohne einander zum großen Geniestreich ausholen können.

Am Ende dieser Band wirkt nun eine Textzeile aus dem Album „Bliss, please“ wie eine Prophezeiung, dass sie eines Tages unversöhnlich und fremd auseinander gehen:


We’ll never be the same again

we came up fighting in

We’re tearing down what we began

Tear it down again“

(Same Sane)

Edit: Mittlerweile hat die Geheimsniskrämerei im Hause Blackmail ein Ende – der neue Sänger ist Matthias Reetz, ehemaliger Sänger der Band Junias. Hört sich mMn -Gott sei dank- nicht wie eine Aydo-Kopie an.


Geschrieben von blogthebuster

Februar 14, 2010 um 5:02 pm

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